Was ist Cannabutter?
Cannabutter — also mit Cannabis versetzte Butter — ist die Grundlage fuer nahezu jedes Cannabis-Rezept in der Kueche. Ob Brownies, Kekse, Saucen oder sogar herzhaftes Kochen: Wer Cannabutter herstellen kann, hat den wichtigsten Baustein fuer die gesamte Cannabis-Kueche gemeistert.
Im Kern ist Cannabutter nichts anderes als normale Butter, in der die fettloeslichen Cannabinoide (vor allem THC und CBD) geloest wurden. Da Cannabinoide sich hervorragend an Fett binden, ist Butter mit ihrem hohen Fettgehalt von rund 80 % das ideale Traegermedium. Das Ergebnis ist eine vielseitig einsetzbare Zutat, die du in praktisch jedem Rezept verwenden kannst, das Butter verlangt.
Der grosse Vorteil gegenueber dem Rauchen oder Verdampfen: Edibles wirken laenger und gleichmaessiger. Allerdings setzt die Wirkung auch deutlich spaeter ein — typischerweise nach 30 bis 90 Minuten. Deshalb ist eine sorgfaeltige Dosierung bei Cannabutter besonders wichtig.
Zutaten und Equipment
Was du brauchst
- Cannabis-Blueten: 7 bis 14 Gramm (je nach gewuenschter Staerke)
- Butter: 250 g ungesalzene Butter (Markenbutter mit hohem Fettgehalt empfohlen)
- Wasser: ca. 250 ml (verhindert das Anbrennen)
Benoetigtes Equipment
- Backblech mit Backpapier
- Kuechenthermometer (essentiell fuer die Temperaturkontrolle)
- Kochtopf oder Slow Cooker
- Seihtuch (Cheesecloth) oder feines Sieb
- Hitzebestaendiges Glasgefaess zur Aufbewahrung
- Kuechenwaage
- Grinder oder Schere
Ein Kuechenthermometer ist wirklich unverzichtbar. Die Temperaturkontrolle entscheidet ueber Erfolg oder Misserfolg deiner Cannabutter — sowohl bei der Decarboxylierung als auch beim Kochen.
Decarboxylierung: Der wichtigste Schritt
Bevor du mit dem eigentlichen Kochen beginnst, musst du einen entscheidenden Schritt durchfuehren: die Decarboxylierung. Ohne diesen Prozess wird deine Cannabutter kaum Wirkung zeigen.
Warum ist Decarboxylierung noetig?
In der frischen Pflanze liegen Cannabinoide in ihrer sauren Form vor — als THCA und CBDA. Diese Vorstufen sind nicht psychoaktiv. Erst durch Hitze wird eine Carboxylgruppe abgespalten, und es entstehen THC bzw. CBD. Beim Rauchen passiert das automatisch durch die hohe Temperatur. Beim Kochen muessen wir diesen Schritt bewusst vorschalten.
Schritt-fuer-Schritt Decarboxylierung
- Vorbereiten: Heize den Backofen auf 110 °C (Ober-/Unterhitze) vor. Zerkleinere die Cannabis-Blueten grob — nicht zu fein, sonst verbrennen sie leichter.
- Verteilen: Lege ein Backblech mit Backpapier aus und verteile das zerkleinerte Cannabis gleichmaessig in einer duennen Schicht.
- Backen: Schiebe das Blech fuer 30 bis 40 Minuten in den Ofen. Wende das Material nach der Haelfte der Zeit vorsichtig.
- Kontrolle: Das Cannabis sollte eine goldbraune Farbe annehmen und trocken riechen. Wenn es dunkelbraun wird, war die Temperatur zu hoch.
Wichtig: Ueberschreite niemals 120 °C. Ab etwa 150 °C beginnen Cannabinoide sich zu zersetzen, und auch wertvolle Terpene gehen bei zu hohen Temperaturen verloren. Terpene tragen nicht nur zum Aroma bei, sondern koennen ueber den sogenannten Entourage-Effekt auch die Wirkung beeinflussen. Eine schonende Decarboxylierung bei niedrigerer Temperatur bewahrt mehr von diesen empfindlichen Verbindungen.
Cannabutter herstellen: Die Schritt-fuer-Schritt Anleitung
Nach der Decarboxylierung geht es an die eigentliche Zubereitung. Es gibt mehrere Methoden — wir beschreiben hier die bewaehrteste Variante im Kochtopf sowie die Slow-Cooker-Methode.
Methode 1: Kochtopf (2-3 Stunden)
- Butter schmelzen: Gib 250 g Butter und 250 ml Wasser in einen Kochtopf und erhitze alles bei niedriger Hitze, bis die Butter vollstaendig geschmolzen ist.
- Cannabis hinzufuegen: Gib das decarboxylierte Cannabis in die Butter-Wasser-Mischung. Ruehre vorsichtig um.
- Koecheln lassen: Halte die Mischung bei 70-80 °C fuer 2 bis 3 Stunden. Die Fluessigkeit sollte niemals kochen — leichtes Simmern ist das Maximum. Ruehre alle 15-20 Minuten um.
- Temperaturkontrolle: Nutze dein Kuechenthermometer regelmaessig. Die ideale Temperatur liegt zwischen 70 und 85 °C. Ueber 100 °C riskierst du den Verlust von Cannabinoiden.
- Abseihen: Lege ein Seihtuch oder feines Sieb ueber ein hitzebestaendiges Glasgefaess. Giesse die Mischung langsam durch. Druecke das Pflanzenmaterial nicht aus — das drueckt Chlorophyll und Bitterstoffe in die Butter.
- Abkuehlen: Lass die Fluessigkeit auf Raumtemperatur abkuehlen und stelle sie dann fuer mindestens 4 Stunden (besser ueber Nacht) in den Kuehlschrank.
- Wasser entfernen: Die Butter wird oben fest, das Wasser sammelt sich unten. Stich ein Loch in die feste Butterschicht und giesse das Wasser ab. Tupfe die Unterseite der Butter trocken.
Methode 2: Slow Cooker (6-8 Stunden)
Der Slow Cooker ist ideal fuer Anfaenger, da er die Temperatur konstanter haelt:
- Gib Butter, Wasser und decarboxyliertes Cannabis in den Slow Cooker.
- Stelle ihn auf die niedrigste Stufe (Low-Einstellung).
- Lass die Mischung 6 bis 8 Stunden koecheln. Ruehre gelegentlich um.
- Kontrolliere die Temperatur — sie sollte 85 °C nicht ueberschreiten.
- Seihe ab und kuehle wie bei Methode 1 beschrieben.
Beide Methoden liefern hervorragende Ergebnisse. Die Slow-Cooker-Methode ist etwas fehlerverzeihender, dauert aber deutlich laenger.
Dosierung: So findest du die richtige Staerke
Die Dosierung ist einer der schwierigsten Aspekte bei der Herstellung von Cannabutter. Einige Faktoren spielen eine Rolle:
Grundlegende Berechnung
Ein Beispiel zur Orientierung:
- Du verwendest 10 g Cannabis mit 15 % THC-Gehalt
- Das ergibt theoretisch 1.500 mg THC
- Bei einer Extraktionseffizienz von ca. 60-80 % bleiben rund 900-1.200 mg THC in der Butter
- Verteilt auf 250 g Butter ergibt das ca. 3,6-4,8 mg THC pro Gramm Butter
Fuer Einsteiger wird eine Dosis von 2,5 bis 5 mg THC empfohlen. Das entspricht bei unserem Beispiel etwa 1 bis 1,5 Gramm Cannabutter.
Die goldene Regel: Start low, go slow
Edibles wirken anders als Inhalation:
- Wirkungseintritt: 30-90 Minuten (manchmal bis zu 2 Stunden)
- Wirkdauer: 4-8 Stunden (deutlich laenger als beim Rauchen)
- Intensitaet: Kann bei Ueberdosierung unangenehm stark sein
Beginne immer mit einer kleinen Menge, warte mindestens 2 Stunden, bevor du nachdosierst. Der haeufigste Fehler bei Edibles ist Ungeduld — viele nehmen eine zweite Dosis, bevor die erste wirkt.
Testdosis empfohlen
Bevor du deine Cannabutter in ein aufwaendiges Rezept gibst, teste sie: Nimm einen viertel Teeloeffel auf ein Stueck Brot. Warte 2 Stunden und beurteile die Wirkung. So kannst du die Staerke einschaetzen und spaeter besser dosieren.
Richtige Lagerung von Cannabutter
Cannabutter ist verderblich — behandle sie wie normale Butter, nur mit etwas mehr Vorsicht:
Kuehlschrank (bis zu 2 Wochen)
- In einem luftdichten Behaelter aufbewahren
- Dunkel lagern (Licht baut Cannabinoide ab)
- Haltbarkeit: ca. 2 Wochen
- Auf Schimmel oder ungewoehnlichen Geruch pruefen
Gefrierschrank (bis zu 6 Monate)
- Portioniere die Butter vor dem Einfrieren (z.B. in Eiswuerfelformen)
- Wickle sie in Frischhaltefolie und gib sie in einen Gefrierbeutel
- Beschrifte mit Datum und geschaetzter Staerke
- Haltbarkeit: bis zu 6 Monate
Tipp: Portioniertes Einfrieren ist ideal. So kannst du immer genau die Menge entnehmen, die du brauchst, ohne die gesamte Menge aufzutauen.
Die haeufigsten Fehler beim Cannabutter herstellen
Damit deine Cannabutter gelingt, solltest du diese typischen Fehler vermeiden:
1. Decarboxylierung uebersprungen
Der Nummer-eins-Fehler. Ohne Decarboxylierung keine Wirkung. Nimm dir die 30-40 Minuten im Ofen — es lohnt sich.
2. Zu hohe Temperaturen
Ob beim Decarboxylieren oder beim Kochen: Zu viel Hitze zerstoert Cannabinoide und Terpene. Halte dich an die empfohlenen Temperaturbereiche und nutze immer ein Thermometer.
3. Cannabis zu fein gemahlen
Zu feines Mahlen fuehrt zu einem graesrigen, bitteren Geschmack. Grob zerkleinern reicht voellig aus — die Cannabinoide sitzen auf den Trichomen an der Oberflaeche.
4. Pflanzenmaterial ausdruecken
Beim Abseihen durch das Tuch moechte man moeglichst viel herauspressen. Widerstehe der Versuchung! Das Ausdruecken presst Chlorophyll und andere unerwuenschte Stoffe in deine Butter und macht sie bitter und gruen.
5. Kein Wasser verwendet
Das Wasser dient als Temperaturpuffer und verhindert, dass die Butter anbrennt. Es laesst sich am Ende problemlos abtrennen und sorgt gleichzeitig fuer eine reinere Butter.
6. Falsche Dosierung
Ohne Berechnung und Testdosis tappst du im Dunkeln. Nimm dir die Zeit, die Staerke deiner Cannabutter einzuschaetzen, bevor du sie in groesseren Mengen verwendest.
Verwendungsmoeglichkeiten fuer Cannabutter
Cannabutter ist unglaublich vielseitig. Hier sind die beliebtesten Einsatzmoeglichkeiten:
Suesses Gebaeck
- Brownies: Der Klassiker schlechthin. Ersetze einfach die normale Butter im Rezept durch Cannabutter.
- Cookies: Schokoladen-Cookies oder klassische Butter-Cookies funktionieren hervorragend.
- Kuchen und Muffins: Jedes Rezept, das Butter verlangt, laesst sich umwandeln.
- Space Cakes: Ein Klassiker der niederlaendischen Coffee-Shop-Kultur.
Herzhafte Gerichte
- Pasta-Saucen: Ein Stueck Cannabutter in eine fertige Sauce einruehren.
- Garlic Bread: Knoblauchbutter mit einem Teil Cannabutter mischen.
- Kartoffelpueree: Statt normaler Butter Cannabutter unterruehren.
- Risotto: Am Ende ein Stueck Cannabutter einruehren (nicht mitkochen!).
Einfache Anwendungen
- Auf Toast: Die simpelste Methode — einfach auf warmes Brot streichen.
- In Kaffee oder Tee: Ein kleines Stueck in ein heisses Getraenk einruehren (sogenannter Bulletproof Coffee).
- Popcorn: Geschmolzene Cannabutter ueber frisches Popcorn geben.
Wichtiger Hinweis: Beim Kochen und Backen mit Cannabutter sollte die Temperatur im Inneren des Gerichts 160 °C nicht ueberschreiten. Beim Backen im Ofen bei 175-180 °C bleibt die Innentemperatur des Teigs deutlich darunter — das ist kein Problem. Vermeide aber direktes Anbraten in der Pfanne bei hoher Hitze.
Alternative: Already Vaped Bud (AVB)
Du nutzt einen Vaporizer? Dann wirf dein bereits verdampftes Material (AVB oder ABV) nicht weg. Da die Kraeuter beim Verdampfen — etwa in einem hochwertigen Konvektionsgeraet wie denen von Norddampf — bereits teilweise decarboxyliert werden, kannst du AVB direkt fuer Cannabutter verwenden. Die Decarboxylierung im Ofen entfaellt dann weitgehend. Beachte allerdings, dass AVB weniger potent ist als frisches Cannabis, da ein Teil der Cannabinoide bereits verdampft wurde. Plane daher die doppelte bis dreifache Menge ein.
Tipps fuer fortgeschrittene Cannabutter
Geklaeerte Butter (Ghee) verwenden
Ghee hat einen hoeheren Fettgehalt als normale Butter (nahezu 100 % gegenueber 80 %). Mehr Fett bedeutet mehr Bindungskapazitaet fuer Cannabinoide. Ausserdem haelt sich Ghee-Cannabutter laenger und hat einen hoeheren Rauchpunkt.
Lecithin hinzufuegen
Ein Teeloeeffel Sonnenblumen-Lecithin (als Granulat erhaeltlich) kann die Bioverfuegbarkeit erhoehen. Lecithin ist ein Emulgator, der die Aufnahme fettloeslicher Substanzen im Verdauungstrakt unterstuetzen kann.
Mehrere Durchgaenge
Manche Hersteller schwimmen frisches Cannabis in bereits infundierter Butter — fuer eine staerkere Cannabutter. Beachte dabei, dass die Dosierung dann deutlich schwieriger zu berechnen ist.
Haeufig gestellte Fragen
Wie stark riecht die Herstellung?
Ziemlich stark, vor allem waehrend der Decarboxylierung. Sorge fuer gute Belueftung oder nutze die Slow-Cooker-Methode mit Deckel, die etwas weniger Geruch verbreitet.
Kann ich auch Kokosoel statt Butter verwenden?
Ja, Kokosoel funktioniert sogar sehr gut, da es einen noch hoeheren Gehalt an gesaettigten Fettsaeuren hat. Der Prozess ist identisch. Das Ergebnis nennt man dann Cannabis-Kokosoel (Canna-Oil).
Warum ist meine Cannabutter so gruen?
Eine starke Gruenfaerbung deutet auf viel Chlorophyll hin. Das passiert, wenn das Cannabis zu fein gemahlen wurde, zu lange gekocht wurde, oder das Pflanzenmaterial beim Abseihen ausgepresst wurde. Die Wirkung ist davon nicht betroffen, aber der Geschmack kann bitter sein.
Wie lange haelt sich Cannabutter?
Im Kuehlschrank etwa 2 Wochen, eingefroren bis zu 6 Monate. Achte auf luftdichte Behaelter und dunkle Lagerung.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und Aufklaerung. Die Herstellung und der Konsum von Cannabis-Produkten unterliegen den jeweiligen nationalen und regionalen Gesetzen. In Deutschland ist Cannabis seit dem 1. April 2024 unter bestimmten Bedingungen fuer Erwachsene legal. Informiere dich immer ueber die aktuelle Rechtslage in deinem Land bzw. deiner Region, bevor du Cannabis verarbeitest oder konsumierst. Dieser Artikel stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keinen Arztbesuch. Der Konsum von Cannabis-Produkten erfolgt auf eigene Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Die Green Treasure Redaktion
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